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Inductive Kategorienbildung Mayring Beispiel Essay

Re: Qualitative Inhaltsanalyse -- inhaltliche Strukturierung

17 Jun 2017, 14:54

[b:1u554lrn]Erst noch einmal der Hinweis:[/b:1u554lrn]
Arbeitet nicht mit veralteten Auflagen, vor allem, wenn die neuen Auflagen überarbeitet wurden. Wenn dem Prüfer das ausfällt, könnt ihr für die Literaturauswahl nicht mehr die volle Punktzahl erhalten.

Du bist nicht zu dumm, wie du im anderen Thread schriebst, sondern arbeitet einfach mit einem Buch, was zwar das erste und daher bekannteste Buch zur QIA ist, aber leider auch das, was am wenigsten verständlich ist. In Mayrings Buch ist die zentralste Form der Auswertung, die ihr auch gewählt habt, auf einer halben Seite beschrieben. Es ist klar, dass dies zu mehr Fragen als zu mehr Klarheit führt. Die Bücher "Qualitative Inhaltsanalyse" von Udo Kuckartz (beschreibt das Verfahren auf 25 Seiten) und "Qualitative Content Analysis in Practice" von Margrit Schreier sind hingegen super geschrieben. Dafür musst du keine „Theoretikerin“ (eigentlich: Methodikerin) sein, die Bücher sind für die Praxis geschrieben. Dort findest du auch Beispiele, die du ja suchst. Sie sind detaillierter und illustrierter in der Beschreibung der Praxis, aber gleichzeitig super einfach zu lesen und zu verstehen. Ich habe schon in zig Betreuungsverhältnissen einen Umstieg empfohlen und anschließend immer den Zuspruch der Betreuten dafür bekommen.
Hier noch einmal meine Linkseite, wo du alle wichtigen Bücher, aber auch open access Überblicksartikel zur QIA findest:
http://methoden-coaching.de/verweise.html

[b:1u554lrn]Ich empfehle euch dringend mit Kuckartz oder Schreier zu arbeiten.[/b:1u554lrn] Kuckartz Buch gibt es auch auf Deutsch (aktuell 3. Auflage) und müsste für alle Studierenden als Download in der Bibliothek zur Verfügung stehen. Wenn ihr VPN nutzt, um von Zuhause den Vollzugriff auf die Bibliotheksdatenbank zu haben, könnt ihr das eBook sogar vom eigenen PC herunterladen.
Überfliegt mindestens das Kapitel 4 (Kategorienbildung) und lest intensiv die Kapitel 5 (inhaltlich strukturierende QIA) für das Vorgehen und 9 für Hinweise zur Berichterstellung und zur Dokumentation/ zum Anhang der Arbeit. Im Idealfall lest ihr natürlich Kapitel 1-5 und 8-9 (alle außer Evaluation und Typenbildung).
Nach nur 1-2 Stunden Lesezeit wisst ihr, was zu tun ist. Außerdem wird das Schreiben des Methodenteils mit diesem Buch oder mit Schreiers Buch deutlich einfacher.

Hat euch euer [b:1u554lrn]Prüfer [/b:1u554lrn]gesagt, ihr sollt die QIA nach Mayring nehmen? Unter meinen Kundinnen ist es so, dass dies vor allem quantitativ-statistisch arbeitende Prüfer ohne tiefe qualitative Methodenkenntnisse empfehlen, da Mayring die QIA bekannt gemacht hat. Aufgrund verschiedener Defizite (methodisch, aber auch in Bezug auf die Qualität des Buches als Lehr-/Praxisbuch) gab es diverse Weiterentwicklungen, die jedoch nicht grundverschieden von Mayring Vorschlag sind. Es gibt einen Diskurs zur Weiterentwicklung der QIA, an dem Mayring m.E. als einziger Akteur nicht teilnimmt. Mayrings Methode ist deshalb der Start der gegenwärtigen QIA-Diskussion, aber m.E. alles andere als der aktuelle Stand. Siehe dazu auch das Buch von Steigleder (Link-/Literaturliste), was die methodischen Probleme von Mayrings Vorschlag ins Zentrum rückt. Kuckartz beschreibt sehr ausführlich das Vorgehen bei der inhaltlichen Strukturierung. Selbst wenn ihr wegen eurer Betreuer bei Mayring bleiben würdet, ist das Buch von Kuckartz (aber auch von Schreier) sehr gut, um Mayring zu verstehen. Es war in meinen Betreuungen noch nie ein Problem, wenn eine Weiterentwicklung, statt des Prüfervorschlags Mayring genutzt wurde. Vorsichtshalber kann das mit dem Prüfer abgesprochen werden. Die Wahl einer speziellen Form der QIA, egal ob Mayring, Kuckartz, Schreier oder Gläser/Laudel, sollte im Methodenteil immer begründet werden. I.d.R. ist dies auch für den Prüfer ausreichend, wenn er zuvor nicht gefragt wurde. Denn im Methodenteil zeigt ihr, dass ihr nicht blind Rezepte nachkocht, sondern euer Vorgehen und eure Methodenwahl reflektiert. Das eigene Vorgehen und die eigene Methodenwahl zu reflektieren und nicht die Vorschläge des Prüfers blind abzuarbeiten, zeigt die Qualität einer Arbeit. Ich habe meine Stellen an der Uni bekommen, weil ich gemacht habe, was ich denke und argumentiert habe, wieso es so zu machen ist. Dabei habe ich auch gegen Vorgaben und Empfehlungen verstDas hat mir keinen Stress mit meinen Dozenten eingebracht, sondern als Student meine Hiwi-Stellen und anschließend meine Lehrstelle.

[b:1u554lrn]Zur Frage:[/b:1u554lrn]
Mit "extrahiertes Material" sind die codierten Stellen, auch Codings genannt, bzw. deren Zusammenstellung (MAXQDA: „Liste der Codings“) gemeint. Diese fasst ihr zusammen (Paraphrasierung). Entweder könnt ihr pro Dokument/Fall und Code/Thema eine Zusammenfassung schreiben (MAXQDA: Summary-Funktionen im Analyse-Hauptmenü) und diese Zusammenfassungen in einem weiteren Schritt innerhalb eines Codes weiter zusammenfassen, oder ihr könnt direkt alle Codings zu einem Code sichten und zusammenfassen (MAXQDA: "einfache Coding-Suche" durch "Aktivierung" > Ergebnisse in der "Liste der Codings" sichten). Wenn ein Code Subcodes besitzt, werden nach und nach die Subcodes zusammengefasst (Zusammenfassung pro Kategorie), wodurch ihr bereits anfangt, den Hauptcode zusammenfassen (Zusammenfassung pro Hauptkategorie). Am Ende entsteht ein Textbaustein zu einem Hauptcode, der z.B. eine Forschungsfrage repräsentieren kann, und aus kleineren Textbausteinen besteht, die sich den einzelnen Subcodes widmen.

[b:1u554lrn]Einfach ausgedrückt:[/b:1u554lrn]
Durch das Codesystem und die Codierung wurden die zu analysierenden Dokumente z.B. thematisch segmentiert. Der Nutzen liegt darin, dass du schnell die für ein Thema, z.B. eine Forschungsfrage, relevanten Stellen findest, ohne bei jedem Thema die gesamten Dokumente sichten zu müssen. Anschließend schaust du dir die codierten Stellen zu einem Code an und fasst sie in Hinblick auf deine Forschungsfragen zusammen.

[b:1u554lrn]Beispiel - Ich greife das Beispiel von oben auf, habe die Beschreibung aber umformuliert:[/b:1u554lrn]
Die Forschungsfrage "Was sind aus Sicht der Befragten die gegenwärtig größten Weltprobleme?" kann als Hauptcode angelegt werden. Entsprechend eurer Vorannahmen/Erwartungen oder des Materials, z.B. der Antworten im Interview, werden Subcodes wie "Armut", "Klimawandel" und "Krieg" erzeugt. Anschließend werden alle codierten Stellen (alternativ: die Zusammenfassungen/Paraphrasen) zu einem Subcode, z.B. Armut betrachtet. Die Aussagen werden anschließend (weiter) zusammenzufassen, um einen Textbaustein zu formulieren, der klarstellt, was die Befragten zur Armut als eins der größten Weltprobleme gesagt haben (Zusammenfassung pro Kategorie). Wo sind die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede der Aussagen? Lassen sich die Aussagetypen weiter gruppieren? Warum sehen sie Armut als eins der größten Weltprobleme an? Etc. Gelegentlich können Zitate genutzt werden, um die eigene Zusammenfassung/Paraphrasierung zu illustrieren oder weil ihr es nicht besser ausdrücken könntet. Anschließend werden nach und nach die anderen Subcodes ausgewertet. Dann müssen noch die sonstigen/allgemeinen Stellen ausgewertet werden, die sich keinen Subcodes zuordnen lassen. So entsteht Schritt für Schritt die "Auswertung pro Hauptkategorie". Das Ergebnis ist ein Textbaustein, der den Abschnitt des Ergebniskapitels bildet, in dem ihr die entsprechende Forschungsfrage beantwortet.

[b:1u554lrn]Allgemeiner Tipp:
Lasst euch nicht zu sehr von Begrifflichkeiten verwirren. [/b:1u554lrn] Bei der inhaltlich strukturierende QIA geht es im Kern darum, dass ihr die Dokumentstellen (bei Interviews etwa Antworten) codiert und anschließend die Stellen zu einem Code in Hinblick auf eure Forschungsfragen beschreibt. Stellt euch zur Orientierung nicht Fragen wie "Was bedeutet die Begriffe bei Mayring?", sondern wie "Wie fasse ich meine Daten in Hinblick auf meine Forschungsfragen am besten zusammen?" und handelt innerhalb dieses Rahmens nach eigenem, gegenstandsbezogenem (also am Projekt orientierten) Ermessen. QIA-Verfahren sind keine Rezepte, sondern Vorschläge. Für die Bewertung einer Arbeit spielt es eine Rolle, ob ein Verfahren in Bezug auf euer Projekt gut adaptiert wurde und nicht, ob es möglichst genau kopiert wurde. Letzteres ist sogar ein großer Fehler.

Ich hoffe auch ohne ein detailliertes Beispiel hast du mehr Klarheit. Investiere 1-2 Stunden in Lesen und wirst noch mehr Klarheit haben.

Unterliegt dein Dokument/Projekt dem Datenschutz? Sonst kannst du mir gerne deine Projektdatei und den aktuellen Stand der Thesis, bzw. das Exposé per Mail schicken. Wenn das Projekt geeignet ist, nutze ich es als Basis für ein geplantes Video-Tutorial auf Youtube.

[b:1u554lrn]Letzter Hinweis:[/b:1u554lrn]
Es gibt eine Liste mit [b:1u554lrn]MAXQDA Trainerinnen[/b:1u554lrn], eigentlich für Inhouse-Workshops, die aber auch teilweise Projektberatung anbieten. Die Liste umfasst gut 20 Trainerinnen aus Deutschland. Überwiegend arbeiten sie nebenberuflich. Stefan Rädiker und ich sind hauptberufliche Trainer und Berater. Über das Internet arbeiten wir mit Kundinnen in der individuellen Beratung an den Projektdaten, erörtern das gegenstandsbezogen beste Vorgehen in MAXQDA und schulen die Methoden – immer Orientiert an den Bedürfnissen der Kundinnen und ihrer Projekte. Dabei handelt es sich nicht um Ghostwriting, sondern um individuellen Unterricht. Wir kompensieren Defizite des Lehrplans: Normalerweise sollten die Methoden im Studium vermittelt werden, die für die Thesis verlangt werden. Das dies überwiegend nicht passiert, ist ein grundsätzliches Problem der Hochschullandschaft.
Ein Coaching für deine Fragen dauert etwa eine Stunde plus maximal 30 Minuten Vorbereitung (Einarbeitung in das Projekt). Schaue dir ggf. die Liste der Trainerinnen an:
http://www.maxqda.de/training/maxqda-pr ... al-trainer

Liebe Grüße
Andre

Zuletzt geändert von A.Morgenstern-E am 19 Jun 2017, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.

A.Morgenstern-E
 
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Stefanie Meier

Nachdem Sie nun Ihre Daten erhoben haben, besteht der nächste Schritt in der Auswertung eben dieser. Eine mögliche Auswertungsmethode stellt die Kodierung durch die qualitative Inhaltsanalyse dar, welche Ihnen im Folgenden in ihren Grundzügen näher vorgestellt werden soll. Das Ziel besteht darin, fixierte Kommunikation (Ihre Transkripte, Texte, Bilder, Noten, symbolisches Material etc.) zu analysieren, um infolgedessen Rückschlüsse zur Beantwortung der Forschungsfrage ziehen zu können. Angestrebt wird somit eine Reduzierung der Komplexität des Materials. Diese können Sie mithilfe eines Kategoriensystems erreichen, in welchem Sie diejenigen Aspekte festlegen, die für die Auswertung relevant erscheinen und aus dem Material herausgefiltert werden sollen. Eine präzise Beschreibung für den Begriff der Kategorie zu finden, ist alles andere als trivial: In der qualitativen Inhaltsanalyse wird eine Kategorie als ein Bezeichner (oder etwas Bezeichnendes) verstanden, dem Textstellen zugeordnet werden (vgl. Kuckartz 2007, S. 57). Teile des Textes werden also nach bestimmten Kriterien geordnet und durch Kategorien beschrieben. Es kann sich bei der Benennung dieser um ein einzelnes Wort (z. B. „Kompetenzentwicklung“) oder aber auch um eine Mehrwortkombination (z. B. Einstellungen zum Muttersprachenunterricht) handeln. Die Herangehensweise und die konkreten Schritte der Kategorienbildung sowie die Anzahl und der Aufbau des Kategoriensystems variieren je nach Forschungsgegenstand und –frage, sodass keine allgemeingültigen Richtangaben gemacht werden können.

Grundlegend bestehen zwei Möglichkeiten der Kategorienbildung: die deduktive und die induktive Vorgehensweise. Ihre Entscheidung für die eine oder die andere Vorgehensweise hängt von dem Umfang Ihres theoretischen Vorwissens und Ihres gewählten Erhebungsinstruments ab. Beiden gemein ist eine kontrollierte und regelgeleitete Vorgehensweise. Dabei schließen sich die zwei Strategien nicht gegenseitig aus, sodass auch eine Kombination beider möglich ist.

 

Deduktive Kategorienbildung:

Bei diesem von Mayring als Strukturierung bezeichnetem Verfahren werden die Kategorien vor der Analyse des Datenmaterials aufgestellt und definiert. Das Ziel ist die Extrahierung festgelegter Elemente aus dem Material. Es erfolgt ein Durchlauf durch die gesamten Daten hinsichtlich vorab beschlossener Strukturen. Aufgrund dieser Ordnungskriterien soll die Grundgestalt, das Profil des Materials, beurteilt werden (vgl. Mayring 2010, S. 65). Es bietet sich dann an, wenn Sie bereits über ein umfassendes Vorwissen verfügen, bereits Hypothesen bezüglich Ihres Forschungsgegenstandes aufgestellt haben oder aber ein (teil-)standardisiertes Erhebungsinstrument, wie beispielsweise einen Interviewleitfaden, verwendet haben. Die Kategorien können dann durch wichtige Aspekte aus der bereits bekannten Literatur zu dem jeweiligen Forschungsgegenstand und/oder anhand des verwendeten Datenerhebungsinstruments gebildet werden.

Im Folgenden sehen Sie einen Interviewleitfaden, welcher im Rahmen einer Staatsexamensarbeit zum Thema „Chancen und Grenzen des Erwerbs von interkulturellen Kompetenzen“ entstanden ist.

  1. Was verstehst Du unter dem Begriff interkulturelle Kompetenz?
  2. Welche Erfahrungen konntest Du bereits zum Thema ‚interkulturelle Kompetenz‘ an der Universität machen?
  3. Welche Möglichkeiten zum Erwerb interkultureller Kompetenz an der Universität kennst Du noch?
  4. Welche Wünsche/Anregungen/Verbesserungsvorschläge hast Du für die Uni in dem Bereich Förderung von interkultureller Kompetenz?
  5. Welche Bedeutung hat für Dich interkulturelle Kompetenz in deiner zukünftigen Lehrerrolle?
  6. Was bedeutet es für Dich, wenn eine Klasse von vielen Schüler/innen mit Migrationshintergrund besucht wird?

 

 

Im Falle dieses Leitfadens lassen sich nun deduktiv unter anderem die folgenden Oberkategorien ableiten:

  • Begriffsverständnis interkulturelle Kompetenz
  • Thematische Erfahrungen
  • Möglichkeiten zum Erwerb interkultureller Kompetenz

 

Nachdem Sie nun deduktiv einige Kategorien erstellt haben, sichten Sie Ihr Datenmaterial und ordnen alle relevanten Textstellen den passenden Kategorien zu. Diesen Vorgang nennt man Kodierung. Hierfür existiert entsprechende Software (s. u.), allerdings eignet sich für schmalere Datenmengen ebenso die Arbeit mit Papier und farbigen Stiften für die verschiedenen Kategorien. Die Kodierung eines Textabschnittes mit mehreren Kategorien ist zulässig, da in ein und derselben Textstelle verschiedene Themen angesprochen werden können.

Im nächsten Schritt halten Sie Ihr Vorgehen in einem Kodierleitfaden fest, um eine möglichst präzise Formulierung der Kategorien zu erreichen und unnötige Überschneidungen zu vermeiden.

  1. Definition der Kategorien: Es wird definiert, welche Bestandteile unter eine Kategorie fallen sollen.
  2. Ankerbeispiele: Es werden konkrete Textstellen aus dem Protokoll oder Transkript des Interviews als Musterbeispiele für die Kategorie angeführt.
  3. Kodierregeln: Dort, wo Abgrenzungsprobleme zwischen einzelnen Kategorien bestehen, werden Regeln formuliert, um eindeutige Zuordnungen sicherzustellen (vgl. Mayring 2010, S. 106).

Dieser Kodierleitfaden dient als Handreichung sowohl für Sie selbst als auch für alle anderen Forschenden, welche in die Auswertung der Daten involviert sind oder es zukünftig sein könnten. Um eine hinreichende Güte bei der Anwendung der Kategorien zu erreichen, sollten die Kodierungen der verschiedenen Forscherinnen und Forscher unabhängig voneinander weitestgehend übereinstimmen. Diese Forderung entspricht dem Gütekriterium der Intercoder-Reliabilität.

 

Beispiel für einen Kodierleitfaden aus der oben genannten Staatsexamensarbeit:

KategorieDefinitionAnkerbeispielKodierregeln
Begriffsverständnis interkulturelle KompetenzAlle Textstellen, die auf eine Deutung des Begriffs interkulturelle Kompetenz hinweisenB1: „Dass man weiß, wo es vielleicht so Schwächen gibt, die nur von bestimmten Ländern, also wie sagt man das, also dass die Leute aus einem bestimmten Land eben genau diese Schwäche haben.“B2: „Dass man im Lehrerberuf eben kompetent ist, […] sich eben Kindern aus verschiedenen Migrationen, […] auseinanderzusetzen und ja, versucht, sag ich mal, deren Verhaltensweisen nachzuvollziehen und irgendwie vor diesem Hintergrund einordnen zu können.“Nur inhaltliches Verständnis des Begriffs, keine wertenden Äußerungen
ThematischeErfahrungen

Induktive Kategorienbildung:

Bei der induktiven Vorgehensweise werden die Kategorien nicht vor der Sichtung des Materials erstellt, sondern direkt aus dem Material abgeleitet, ohne sich auf vorab verwendete Theoriekonzepte zu beziehen. Mayring bezeichnet diese Art der Kategorienbildung als zusammenfassende Inhaltsanalyse. Das Ziel besteht in der Eingrenzung der Textelemente, ohne den inhaltlichen Kern und die Essenz des Materials zu verfälschen. Durch diese Reduzierung soll eine Übersichtlichkeit der Daten erzeugt werden, welche immer noch der Grundform des Materials entspricht (vgl. Mayring 2010, S. 65). Für diesen Typ der Analyse sollten Sie zunächst die einzelnen verschriftlichten Interviewaussagen aus Ihren Transkripten in eine reduzierte Form bringen, indem Sie nur die inhaltstragenden Bestandteile beibehalten und Ausschmückendes fallen lassen. Sich aufeinander beziehende oder inhaltsgleiche Aspekte werden zusammengefasst und durch eine neue Aussage (Kategorie) wiedergegeben. Entsprechende Stellen im Material werden nun der neu gebildeten Kategorie zugeordnet, also kodiert. Stoßen Sie auf Stellen im Datenmaterial, welche nicht in die zuvor gebildete Kategorie passen, bilden Sie eine neue Kategorie. Wiederholen Sie dieses Vorgehen mit Ihren restlichen Daten. Nachdem Sie nun auf diesem Wege ein Kategoriensystem entwickelt haben, empfiehlt sich eine Rücküberprüfung der entworfenen Struktur durch einen zweiten Materialdurchlauf.

 

FallZitatParaphraseGeneralisierungKategorie
B9Zeile 40-43„Ganz wichtig natürlich als Lehrer ist diese Offenheit, nicht dieses von oben herab, sondern wirklich auch den Eltern das Gefühl zu geben, hier ist es auch wichtig bei uns in Deutschland, für uns wichtig an Erfahrung mit den Eltern zusammenzuarbeiten, um den Kindern das Bestmögliche für die Zukunft mitzugeben.“Für eine Lehrperson ist die Offenheit zur Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig für die Zukunft der Kinder.Bereitschaft der Lehrperson für die Partizipation der Eltern.Verhalten der Lehrperson
B9Zeile 44-52

 

Verbindung von deduktivem und induktivem Vorgehen

Innerhalb von Forschungsprojekten werden häufig beide Formen kombiniert und nicht immer in Reinform vollzogen. Wenn Sie zunächst die deduktive Kategorienbildung gewählt haben, bilden Sie neben den aus der Theorie oder dem Erhebungsinstrument erstellten Kategorien eine „Restekategorie“. Unter diese fällt das Datenmaterial, welches keiner der deduktiv erstellten Kategorien zugeordnet werden kann. Durch eine Reduktion des Materials aus der Restekategorie auf die zentralen bedeutungstragenden Aussagen (im Sinne der zusammenfassenden Inhaltsanalyse) werden neue Kategorien und Subkategorien induktiv gebildet.

Das gesamte Kategoriensystem kann nun in Bezug auf die Fragestellung und die einbezogene Theorie interpretiert werden. Zudem können Sie auch quantitative Aspekte bei der Auswertung berücksichtigen und analysieren, welche Kategorien sehr oft kodiert werden, für welche es weniger Fundstellen gibt und welche Rückschlüsse aus diesen Ergebnisse gezogen werden können.

 

Softwareempfehlungen:

Für geringere Datenmengen eignen sich übliche Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word, OpenOffice und andere Open Source-Software. Umfangreichere Möglichkeiten zur Kodierung Ihrer Daten bieten Analyseprogramme wie f4analyse oder MAXQDA. Die direkte Einbindung von Audio- oder Videodokumenten sowie der Export in weitere Programme wie Excel oder SPSS sind hier möglich. Informieren Sie sich über kostenfreie Testversionen oder Studierendenlizenzen an Ihrer Universität.

 

Literatur:

Kuckartz, Udo (2012): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

Kuckartz, Udo (2007): Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11., aktualisierte und überarb. Aufl. Weinheim: Beltz.

Mayring, Philipp; Gläser-Zikuda, Michaela (Hrsg.) (2008): Die Praxis der qualitativen Inhaltsanalyse. 2., neu ausgestattete Aufl. Weinheim und Basel: Beltz.

 

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